Sabine Elender
HOME Naturfotografie Menschenfotografie Schmuck Mosaik Malerei Garten Kaninchen Wellensittiche Jahreszeiten Mythen Leben Psyche Abschiede Kosmos Tierkreis Zahlen Farben Mandala








Was kennzeichnete die Siebziger?

Kniefall von Warschau 70, Geiselnahme von München 72, Watergate- und Guillaume-Affäre 74, RAF-Terror 77, Nahostkonflikt 78/79. Ölkrise, Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung, Fahrverbot, Demonstrationen, Straßenkämpfe und Hausbesetzungen.
ABBA, Prilblumen, lange Haare, Plateauschuhe, Schlaghosen, Flower-Power, Bhagwan, Jesus People, Slime. Schwer zu sagen, was am schlimmsten war.




MEINE Siebziger:



Anfang 1971 hatte ich auf eine Magersucht zugesteuert und wog in meinen leichtesten Zeiten 43 kg. Davon gibt es keine Fotos, erst ab 48 kg. Auf dem Gym war das damals ein häufig zu beobachtendes Phänomen, so als wollten sich die jungen Frauen auf diese Art von allem und jedem distanzieren und ihr eigenes Bild dem Körper aufzwingen. Erst heute weiß man, dass das nicht ganz ungefährlich und im Wortsinne auch eine Sucht ist. Mit einer Schulfreundin lag ich im Wettstreit und ärgerte mich, dass ich sie mit ihren 38 kg nie erreichen konnte. Heute denke ich: war gut so.

Meine Eltern beobachteten das Ganze ängstlich und ließen keine Gelegenheit aus, mir Standpauken zu halten. Aber mal ehrlich - wann hat das schon bei irgendjemand mal etwas ausgerichtet? Auch der Hausarzt wusste nicht weiter, und so hatten wir einen weiteren Verzweifelten zu dem Thema. Ich merkte, dass ich nicht nur rasch abnahm, sondern mich immer weniger konzentrieren konnte und in der Schule absackte. Naja, das Abi habe ich dann doch so irgedwie hinbekommen.

Im selben Jahr kehrte nach einer kurzen Phase mit Fressanfällen die Normalität zurück. Mit einer Mitschülerin und einem Theaterabonnement lernte ich Kultur kennen (oder bei AIDA das tonlose Schlafen). Lernte Schreibmaschineschreiben, Kurzschrift (hahaha) und mit einem neuen Freund das Tanzen. Damit hatte ich eine große Leidenschaft und ein quasi mitgebrachtes Können entdeckt. Es gefiel mir so sehr, dass ich mir vorstellen konnte, das Tanzen zu professionalisieren. Leider kam was dazwischen. Meine Eltern. Punkt aus.














Ich lernte, zu fotografieren.
Was hieß, ich brachte mir das Meiste selbst bei. Hin und wieder besuchte ich einen Fotokurs, in dem wir unsere SchwarzWeiss-Fotos selbst entwickeln und Abzüge machen konnten. Da war ich total in meinem Element und konnte vieles direkt für meinen Leistungskurs KUNST erstellen. Manchmal gingen wir auf Fotospektion - Motivsuche, dann nahm ich schon mal die Filmkamera meines Vaters mit. Mein Platz war eindeutig hinter der Kamera, aber es gab auch Ausnahmen, denn ich posierte gern.




In die Siebzigerjahre fiel meine Jugend, das bedeutete damals wie heute: Sich entdecken, sich schminken (egal wie schräg), stundenlang Klamotten probieren. Identitätsfindung eben. Ich habe eine Zeitlang gemodelt, bei dem Textileinzelhandelsgeschäft Hettlage & Lampe (HELA). Zuerst im Schaufenster (das war damals eine Novität und hat eine Menge Zuschauer angelockt), dann auf dem 3Meilen-Schiff "Alte Liebe" der HADAG Hamburg und im Hotel "Maritim". So konnte ich auf ideale Weise meine Modelust mit dem Geldverdienen verbinden.


Klassenfeste, Schulstreiche, alles nicht so reichlich bei mir, ich war nicht gerade die Stimmungskanone.
Aber am Ende des Jahrzehnts hatte ich den Führerschein, bestand das Abi, begann nahtlos eine Berufsausbildung, hatte etliche Prüfungen vor der Brust, überstand Versetzungen und war am Ende Handelsassistentin, kurz darauf (1980) Abteilungsleiterin und Einkäuferin. Aber vorher ein Blick auf den Preis dafür:




ABI 76 - und dann?



Im Anschluss ans Abitur ohne Auslandsjahr oder Weltreise in den kaufmännischen Beruf, der mich ab dann in Deutschland rotieren ließ. Den Beruf wählte ich nicht selbst. Was nützten mir nun die Einser in Kunst und Russisch?
Acht Umzüge in acht Jahren haben mich damals ein ziemliches Stück Energie gekostet. Ich lebte lange Jahre nur möbliert, in ein kuscheliges Heim konnte ich abends nicht zurückkehren, alles war nur quasi für den Moment planbar.
Freunde, Hobbies, Ausgehen, Erholen? Fehlanzeige. Mit Übereifer stürzte ich mich in den Beruf und war eigentlich froh, dass ich so früh mein eigenes Geld verdiente.



  • 1976-1978 Aus- und Weiterbildung zur Handelsassistentin, KARSTADT Kiel


  • 1978-1980 Handelsassistentin in den KARSTADT - Filialen Duisburg, Bremen und Delmenhorst


  • 1980-1985 Abteilungsleiterin und Einkäuferin der Abteilungen Foto, Uhren und Schmuck, KARSTADT Velbert


  • 1985 Substitutin der Abteilungen Foto, Uhren und Schmuck, KARSTADT Hamburger Straße


  • nach dem Umzug einige Jahre in einem privaten Kaufhaus, zuständig für die Abteilungen Uhren, Schmuck, Foto, Lederwaren




Handelsassistent/in

Ausbildung


Voraussetzung:
Allgemeine/fachgebundene Hochschulreife, Fachhochschulreife oder vergleichbarer Abschluss.

Ausbildungsdauer:
In der Regel 3 Jahre in den speziell für Abiturienten und Abiturientinnen bestimmten betrieblichen Ausbildungsgängen (darin eingeschlossen der Abschluss gemäß BBIG zur Kauffrau bzw. zum Kaufmann im Einzelhandel nach 2 Jahren).

Ausbildungsorte:
Betriebliche Ausbildung in Unternehmen des Einzelhandels, theoretische Ausbildung erfolgt teilweise außerbetrieblich, z.B. an zentralen Bildungsstätten des Einzelhandels, an beruflichen Schulen in Abiturientensonderklassen oder an Kaufmännischen Berufskollegs für Abiturienten und Abiturientinnen (in Baden-Württemberg).

Inhalt:
Unterrichtsfächer im 3. Ausbildungsjahr: Handelsbetriebslehre, Personalwesen, Mitarbeiterführung, Organisation, Rechnungswesen, Volkswirtschaftslehre, Rechtslehre, Datenverarbeitung.

Abschluss:
Vor Abschluss dieser Sonderausbildung für Abiturienten/Abiturientinnen erfolgt zunächst die Abschlussprüfung im kaufmännischen Ausbildungsbereich als externe Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer. Der erfolgreiche Abschluss dieser Prüfung ist Voraussetzung für die Zulassung zur Handelsassistentenprüfung.


Tätigkeitsbereich:

Handelsassistenten und Handelsassistentinnen können als Substituten bzw. Abteilungsleiter-Anwärter/innen die Stellvertretung der Abteilungsleitung übernehmen oder nach längerer Berufserfahrung selbst Führungspositionen als Leiter/in einer Abteilung einnehmen. Substituten unterstützen die Abteilungsleitung bei ihren Leitungs- und Führungsaufgaben.
Handelsassistenten bzw. Handelsassistentinnen sind in Fachgeschäften des Einzelhandels, in Waren- und Kaufhäusern tätig. Sie sind zuständig für den reibungslosen Warenfluss, für den Einkauf, Lagerung und Verkauf der Waren sowie aller dazu nötigen Begleitmaßnahmen (Organisation des inneren Betriebsablaufs, Verkaufsförderung, Personalführung, Rechnungswesen u.a.).

Darüber hinaus ist es möglich, die Aufgaben als Direktionsassistent/in, Einkäufer/in, Disponent/in, Organisator/in, Revisor/in, Marketingfachmann bzw. Marketingfachfrau, Verkaufsförderer bzw. Verkaufsförderin, Verkaufstrainer/in, Werbefachfrau bzw. Werbefachmann, im Personalwesen und Sozialwesen, in der Personalausbildung und -schulung oder im Finanz- und Rechnungswesen wahrzunehmen.
Aufstiegsmöglichkeiten zum Geschäftsführer bzw. zur Geschäftsführerin einer Filiale eines Kaufhauses oder zum Zentraleinkäufer bzw. zur Zentraleinkäuferin existieren. Weiterbildungen zum Handelsfachwirt bzw. zur Handelsfachwirtin, Handelsbetriebswirt/in bzw. Fachkaufmann und Fachkauffrau - Einkauf/Materialwirtschaft, Personal, Marketing sind möglich.







Ich nehme jetzt mal die Jahre 1976 bis 1986 als Jahrzehnt für ein Resümmee:

8 Umzüge in 10 Jahren - das war nicht so das, was mir gutgetan hat.
Was ich mir wünschte, schien unerreichbar: Planbarkeit und Zuverlässigkeit. Wie gern hätte ich mir Möbel ausgesucht, um wenigstens in etwas Vertrautes in der Ferne abends nach "Hause" zu kommen. Stattdessen jahrelang lieblos möblierte Zimmer, in die zu investieren sich für ein paar unsichere Monate nicht lohnte. Den Vogel schoss dabei gleich mein erster Versetzungsort ab:
Inseriert war ein hübsches möbliertes Zimmer im 1. Geschoss mit Gartenbenutzung. Als ich einziehen wollte, stellte sich heraus, dass das bereits vermietet war und für mich nur die Souterrainwohnung blieb. Eindeutig Keller, feucht, mit Spinnenbesuch, Überflutungsgefahr und als einzige Heizung ein Wärmestrahler an der Wand, die schon angekokelt war. Ich bin bis heute fassungslos, wie man so etwas vermieten kann.

Wie SEHR mich das alles gestresst hatte, wurde Jahre später deutlich: Ich hatte sehr viel (Kraft)-Pulver verschossen, um das Ganze mitmachen und aushalten zu können. Es fühlte sich an, als seien wichtige Schutzschichten (der Seele) abgerieben und hätten genährt und aufgefüllt werden sollen. Das aber war nicht mein Ding: Schlappmachen gab es für mich nicht, ich verlangte von mir, unbedingt durchzuhalten und wurde darin auch von der Außenwelt bestätigt. Funktionieren müssen galt schon damals. Doppelt schwer fiel es mir, da ich gegen meine Neigungen anarbeiten musste: Ich hasste meinen Beruf, den ich mir vor Jahren nicht selbst ausgesucht hatte. Schlimmer noch, ich verabscheute mich für meine damalige Schwäche, dem zugestimmt zu haben. Und das alles fraß Kraft ohne Ende. Die Folgen zeigten sich Mitte der Neunzigerjahre, als nichts mehr ging.





Seitenanfang


© Copyright und sämtliche Nutzungsrechte: Sabine Elender.   Webdesign: Sabine Elender
Vervielfältigung, auch für private Zwecke, nur mit meiner ausdrücklichen Zustimmung


    Dinge, die man als Kind geliebt hat, bleiben im Besitz des Herzens bis ins hohe Alter.
Das schönste im Leben ist, dass unsere Seelen nicht aufhören an jenen Orten zu verweilen,
wo wir einmal glücklich waren.

Khalil Gibran