Sabine Elender
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  • Mein Vater wurde in Pommern auf dem Land geboren, seinen Eltern gehörten ausgedehnte Ländereien. Er hatte 4 Brüder, mein Vater war der Viertgeborene. Kennengelernt habe ich nur einen Bruder - Otto Bärwald.

    Brüder:

    - Walter, geboren 28. September 1912 - gefallen 26. April 1944 in Jassy - Russland
    - Otto, geboren 22.0 Juli 1914 - gestorben 15. Oktober 1978 in Neuwied
    - Georg, geboren 20. Januar 1916 - gestorben 18. März 1916 in Schmalzenthin
    - Bruno, geboren 26. November 1920 - gestorben 27. Juni 1931 in Schmalzenthin




  • Lebensdaten meines Vaters

  • 1925-1933 Schule in Neuliepenfier

  • 1933-1935 Landwirtschaftliche Lehre auf dem väterlichen Bauernhof in Schmalzenthin

  • 1935-1937 Landwirtschaftsschule in Falkenburg

  • 1937-1938 Bauernhochschule Henkenhagen

  • 1938-1939 Praktikant auf dem väterlichen Bauernhof

  • 1939-1949 Infanterie Erstes Bataillon 373in Treptow. Kriegsgefangenschaft im Lager 7315/2 in Dnjepropetrowsk

  • 19. Juli 1949 Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft

  • 1950-1951 Pförtner in der Zigarettenfabrik Haus Gütter, Kiel

  • 1952-1962 Metallarbeiter, Fräser, Einrichter und Materialdisponent bei Zeiss Ikon, Kiel

  • 1962-1968 Substitut der Hausinspektion bei der KARSTADT AG in Kiel

  • 1969-1981 Abteilungsleiter der Hausinspektion bei der KARSTADT AG in Kiel




Karstadt - Arbeiten, Umbauen, Abreißen, Neubauen, Feiern


Der Karstadt-Fuhrpark - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der große Umbau im Sommer 1968



Auf Betriebsfesten war es mein Vater, der Fotos machte und unzählige Filme drehte.



Typisch für die 60-er Jahre: opulente Buffets, überquellende Teller - - - - - - Meinem Vater wird Dank ausgesprochen.


       Vater in den Dreißigerjahren
   Karstadt Kiel vor ----------------------------------- und nach dem Krieg.



  • Die Zeit nach seiner Pensionierung füllte mein Vater mit der Erforschung seiner Ahnen. Das tat er akribisch und perfekt. Neben diesen schlichten Datenblättern schrieb er Dutzende und Hunderte DIN-A-4-Seiten zu einem Thema, das er sich setzte.
    Über ehemalige Dorfnachbarn, längst verstorbene Verwandte, über Jahreszeiten und Gedanken, die ein Mensch so hat in seinem Leben.
    Und, ganz kurz vor seinem Tod, über den Krieg und seine russische Gefangenschaft. Für diese Aufzeichnungen brauchte er sehr lange. Obwohl er sein Erleben immer in sich verschlossen gehalten hatte. Oder gerade deswegen.

    Er schrieb auf einer alten mechanischen Schreibmaschine. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort. Seite für Seite. Damit verbrachte er Stunden, Tage, Wochen und Jahre.

    Mein Vater war handwerklich außerordentlich geschickt und so fertigte er auch persönliche Dinge. Dazu schrieb er manchmal Büchlein, in denen er den Fertigungsprozess festhielt. Mit Fotos und kleinen Zeichnungen. Er konnte wundervoll zeichen. Zu dieser Begabung hat er nie einen eigenen Zugang gefunden. Für ihn war das nichts Besonderes.

    Unter diesen "NICHT - Besonderheiten" sind Zeichnungen und illustrierte Briefe aus den Vierzigern bis in die Neunzigerjahre. Ein Überblick:





  • Mein Vater war nicht nur künstlerisch sehr begabt, sondern auch handwerklich. Sein Vorteil war, dass er als ehemaliger Landwirt die Grundsätzlichkeiten (fast) jedes Gewerkes kannte.
    Hinzu kamen seine Ausbildung als Metallarbeiter - Fräser und viele Jahre als Leiter der Hausinspektion bei der KARSTADT AG. Zudem hat er in seiner Freizeit während seines Arbeitslebens geradezu Aufgaben im privaten Bereich gesucht, in denen er sein handwerkliches Geschick immer weiter verfeinern konnte.
    Als mein Mann und ich in den späten 80-erjahren sesshaft wurden, lief mein Vater sozusagen zur Hochform auf. Er platzte beinahe vor Ideen, für die er nun in seinem Rentnerleben auch entsprechend Zeit hatte.
    Es schien uns, als hätte er nun ENDLICH eine richtige Aufgabe gefunden. Er reparierte, renovierte, bestellte und dirigierte Handwerker für die Arbeiten, für die er nicht mehr die körperliche Kraft besaß. Meine Eltern und meine Tante verbrachten Woche um Woche, Monat um Monat und Jahr um Jahr bei uns, denn es war enorm viel zu erneuern. Bei absolut genügsamen Maßstäben.



    Am Anfang ist eine detaillierte Idee. Er liebte es, zu planen. Und ich liebte es, ihn anzuschauen, wie er dabei förmlich aufblühte. Mit seiner Fröhlichkeit und Zuversicht hat er uns oft mitgerissen.





  • Über den Krieg, seine Gefangenschaft in Dnjeprodserschinsk und Dnjepropetrowsk in der Ukraine nahe des Schwarzen Meeres hat mein Vater nie gesprochen.
    Ich erfuhr nichts über seine Erlebnisse, seine Gedanken, erst recht nichts über Gefühle, die er bestimmt gehabt haben muss, obwohl er das stets vehement von sich gewiesen hat. Sogar der Ton in der Feldpost, die er seiner Frau, meiner späteren Mutter, schickte, war fast sachlich, distanziert, beherrscht und gebetsmühlenartig ins Leere tröstend.
    Sie machten sich gegenseitig etwas vor und verdrängten die grausame Wirklichkeit. Andererseits ist das ein kluger Schachzug der menschlichen Seele, um trotz aller Schrecken zu überleben. Mein Vater kehrte erst im Sommer 1950 aus Krieg und Kriegsgefangenschaft zurück.
    Im Jahr 2000, also kurz vor seinem Tod, hat er auf meinen großen Wunsch seine Erlebnisse in sowjetischer Kriegsgefangenschaft aufgeschrieben. Hier sind seine Niederschriften: